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The ultimate Prototype

Wenn ich einmal alles Revue passieren lasse, dann könnte ich fast sentimental werden, was die „Historie“ von ROBERTONE anbelangt. Auch wenn erst in den letzten Monate die ersten 100%en ROBERTONEs entstanden sind, bin ich schon seit 2010 mit meinem ganz persönlichen ROBERTONE SAETTA unterwegs. Türkis-Rosa versteht sich… Mit diesem Rad hab ich schon so manches Kompliment eingesammelt auf meinen Runden rund um Hamburg oder Berlin, durch den Spessart, die Rhön und wo es mich sonst so zum Fahren hinzog.

Unter dem schicken Design verbirgt sich ein Basso Loto aus 1992, den mir damals Robert (Ex-Rennfahrer, Rennfahrer Papa und schon immer mein bester, persönlichster und verlässlichster Bike Experte) ebenfalls in Türkis-Rosa bestellt hatte. Weil Blau-Weiß, Grün-Gelb, Schwarz-Weiß-Pink konnte ja jeder. Mit diesem Rad habe ich 15.000 km in meiner ersten Saison gefahren, dann hatte es lange mein Papa in Betrieb, bevor ich es wieder jahrelang als coolstes Stadtrad von Hamburg durch die Straßen der Stadt gebügelt habe. Der Lack hatte gelitten, weil ich neben dem fetten Motoradschloss, das ich immer um den Hals trug auch noch ein zweites am Rahmen hängen hatte, weil ich natürlich gar keine Lust darauf hatte, mir das Rad klauen zu lassen.

2010 beschloss ich das Rad zu neuem Glanz zu bringen und es wieder zum reinrassigen und ganz speziellen Rennrad zu machen. Also fing ich an, mir meine ganz persönliche Fahrradmarke zu überlegen. Grübel, grübel… Italien, Rennrad, was Persönliches. ROBERTONE! Nicht Robert one!! Ganz wichtig, denn das würde so gar nicht zu mir passen. Ich tüftelte mit Farbfächern, malte täglich drei vier Farbvarianten auf, klebte erste Schriftzüge Probe und wählte dann die fette, plakative Schrift, die klassisch wirkt aber eben mehr Ansage war als nur ein eleganter Retro Schriftzug. Blieb nur die Frage: wer macht die Schriftzüge, wer entlackt, wer lackiert und wie heißt überhaupt das allererste und für mich ultimativ persönlichste ROBERTONE?

Gehen wir nochmal etwas zurück. Es muss so 1979/1980 gewesen sein – ich war noch wahnsinnig klein, aber schon damals rasant unterwegs. Ich hatte mein erstes Rad: Blau-Metallic, weiße Reifen und weiße Lenkergriffe. Meine Teststrecke: der Röderberg. Für Anfänger ein hartes Terrain, denn die Straße weißt genau auf 40m mal kein Gefälle auf. Auf diesem „Hochplateau“ drehte ich meine ersten Runden, hatte meine ersten Stürze und Erfolge (fahren ohne Stützräder, Vollbremsung in der Kieseinfahrt, Downhill bis zur Bergstraße, usw.). Das sprach sich rum und so kam es, dass mir meine liebe Tante Ingrid zum Geburtstag eine wahnsinns Karte malte. Ich auf dem blauen Bike, einhändig und mit den Füßen von den Pedalen den Berg runter rasend… darauf die bis heute unübertroffene Headline (wenn es um mich geht): „Der Blitz vom Röderberg“.

Das ist es, das ist er, der Name, dachte ich. Das muss er sein….Blitz. Ja genau, aber irgendwie blöd belegt von einer Automarke und auch in anderen Zusammenhängen nicht das beste deutsche Wort. Also ginge ich suchen. Z.B. in Belgien, und freute mich, dass ich endlich gecheckt hatte, dass der Flèche Wallone, der Wallonische Pfeil heißt und Pfeil ist ja auch schon nah an Blitz, nicht wahr? Aber irgendwie klang das nicht im Zusammenhang mit ROBERTONE. Mein italienisch war quasi nicht vorhanden, aber ich recherchierte und stellte fest, dass „Saetta“ genau das Wort schien, das ich suchte. Ich hatte immer eine leichte Unsicherheit ob das wirklich passt, aber als ich die ersten Schriftzug-Plotts in der Mittagspause bei Antonio aus der Tasche zog und er zustimmend nickte, war klar: passt!

Die Schriftzüge hatte mir, nachdem ich sie akribisch vermessen hatte, mein guter Freund Rebelzer auf seinem Plotter gedruckt. Wer den Rebelzer kennt, der weiß, dass alleine die Tatsache, dass die Decals von ihm sind, heute das Rad nicht nur im ideellen Wert deutlich steigen lässt. Entlackt und aufgebaut hat es mir …Robert (vermutlich der eigensinnigste und rennerfahrenste Bike-Shop Betreiber in Hamburg). Da ich …Robert (vermutlich der beste Fahrrad-Lackierer der Welt) damals noch nicht kannte, musste ich bei Autolackierer darum bitten, sich an dem Rahmen zu versuchen. Mit Murren haben sie es gemacht – und gar nicht mal so schlecht. Robert (Lackierer) würde jetzt sagen, der Lack ist viel zu dick, Maskierungen nicht ganz exakt und fühl mal…. da spürt man eine leichte Unebenheit. Aber für damals war das für mich einfach nur wunderbar. Stolz fuhr ich los mit der Athena 2010ner Ausstattung, auf der ich bis heute irgendwie hängen geblieben bin. Einfach die schönste und funktionalste Gruppe, die Campa in Silber Alu in den letzten 10 Jahren hatte. Reifen mit weißer Lauffläche…Rolls Sattel…Mavic Felgen…Campa Naben (und alles handeingespeicht von …Robert).

So fing alles an, und wenn ich daran denke, dass ich mir so viele Zeit gelassen habe (8 Jahre….) bis ich endlich an den ersten komplett selbst entwickelten Rädern gearbeitet habe, dann muss ich zu mir sagen, es war höchste Zeit, dass ich einmal den Hintern hochbekommen habe.

Was sich aber in der Zeit nicht verändert hat – und das ist sehr wichtig, um ROBERTONE als Marke zu verstehen: Ich hätte es damals exakt genauso gemacht wie heute. Denn es geht schlicht und einfach um „Steel, Colours & Thin Tyres“, um schöne Bikes, die bleiben. Wie mein Saetta.

Saluti
ROBERTONE

P.S.: Das Cinelli 2012 einen Saetta Rahmen herausgebracht hat, habe ich wohl vernommen, weshalb es heute kein ROBERTONE Saetta mehr gibt. Vielleicht später mal wieder  – in Koop mit Cinelli. Das wäre doch ein schöner Gedanke…